Hamburg Wasser besteht aus zwei Unternehmen unter einem Dach
Hinter der Marke stecken zwei rechtlich getrennte Gesellschaften. Die Hamburger Wasserwerke GmbH (HWW) kümmert sich um Gewinnung, Aufbereitung und Verteilung des Trinkwassers. Die Hamburger Stadtentwässerung AöR (HSE) ist für Siele, Pumpwerke und die Abwasserreinigung zuständig. Seit 2006 arbeiten beide als Gleichordnungskonzern unter dem gemeinsamen Namen Hamburg Wasser, beide gehören der Freien und Hansestadt Hamburg.
Für dich ist die Trennung vor allem bei der Rechnung relevant. Das Trinkwasser bezahlst du als Entgelt auf Grundlage eines privatrechtlichen Liefervertrags. Für das Abwasser zahlst du dagegen eine Gebühr, weil die Stadtentwässerung eine öffentlich-rechtliche Anstalt ist. Das hat Folgen: Gegen einen Gebührenbescheid der Stadtentwässerung legst du Widerspruch ein, während du bei einer strittigen Trinkwasserrechnung den zivilrechtlichen Weg gehst, also zunächst schriftlich reklamierst.
Das Versorgungsgebiet endet nicht an der Landesgrenze. Einige Gemeinden im Hamburger Umland beziehen ihr Trinkwasser ebenfalls von den Hamburger Wasserwerken, und umgekehrt stehen mehrere Wasserwerke auf niedersächsischem und schleswig-holsteinischem Gebiet, etwa das Wasserwerk Nordheide südlich der Elbe.
Das Trinkwasser in Hamburg kommt aus der Tiefe, nicht aus der Elbe
Viele Zugezogene vermuten, dass das Leitungswasser aus Elbe oder Alster stammt. Das stimmt nicht. Hamburg Wasser fördert Grundwasser aus Brunnen, die teils mehrere hundert Meter tief reichen, und bereitet es in rund 16 Wasserwerken auf. Bekannte Standorte sind etwa Curslack in den Vier- und Marschlanden oder Baursberg in Blankenese.
Grundwasser hat einen großen Vorteil: Es ist durch die darüber liegenden Erd- und Tonschichten gut geschützt. Die Aufbereitung kommt deshalb ohne Chlor aus. Im Wasserwerk wird das Rohwasser vor allem belüftet und über Sandfilter geleitet, damit sich gelöstes Eisen und Mangan absetzen. Das ist der Grund, warum Hamburger Leitungswasser in aller Regel neutral schmeckt und nicht nach Schwimmbad riecht.
Die Wasserhärte unterscheidet sich je nach Wasserwerk, das deinen Stadtteil versorgt. Wer eine Kaffeemaschine entkalken, die Waschmitteldosierung einstellen oder eine Enthärtungsanlage planen will, sollte den Wert für die eigene Adresse nachsehen. Hamburg Wasser veröffentlicht die Härte und weitere Analysewerte auf seiner Website über eine Suche nach Postleitzahl oder Straße. Eine pauschale Härteangabe für ganz Hamburg führt dich deshalb in die Irre.
Für die Qualität gilt bundesweit die Trinkwasserverordnung, die 2023 grundlegend neu gefasst wurde. Sie legt Grenzwerte fest und regelt, wie oft der Versorger untersuchen muss. Die Überwachung in Hamburg liegt zusätzlich beim Gesundheitsamt. Verantwortlich ist Hamburg Wasser allerdings nur bis zum Hausanschluss, dazu mehr im nächsten Abschnitt.
Ab dem Wasserzähler beginnt die Verantwortung des Eigentümers
Die Grenze zwischen öffentlicher Versorgung und privater Hausinstallation verläuft am Hausanschluss. Nach der bundesweit geltenden AVBWasserV endet er an der Hauptabsperrvorrichtung hinter dem Wasserzähler im Keller oder Hausanschlussraum. Bis dorthin, einschließlich Hauptzähler, gehören Leitung und Messgerät dem Versorger. Alles danach, also Steigleitungen, Wohnungsleitungen, Armaturen und Warmwasserbereitung, ist Sache der Eigentümerin oder des Eigentümers.
Praktisch bedeutet das: Ist das Wasser an der Übergabestelle einwandfrei, kann es in deiner Wohnung trotzdem Probleme geben, wenn die Hausinstallation alt oder schlecht gewartet ist. Typische Ursachen sind stagnierendes Wasser in selten genutzten Leitungen, verkalkte Boiler und alte Metallrohre. Nach einer Urlaubsreise lohnt es sich, das Wasser einige Zeit laufen zu lassen, bis es spürbar kühl aus dem Hahn kommt, bevor du es trinkst oder zum Kochen nimmst.
Bleirohre in Altbauten
In Hamburger Altbauten aus der Zeit vor den 1970er Jahren können noch Bleileitungen verbaut sein, vor allem in Häusern, deren Leitungen nie komplett erneuert wurden. Seit Dezember 2013 gilt ein Grenzwert von 0,010 Milligramm Blei pro Liter, den alte Bleirohre häufig nicht einhalten. Die neue Trinkwasserverordnung geht weiter: Bleileitungen müssen bis zum 12. Januar 2026 entfernt oder stillgelegt sein. Diese Pflicht trifft die Eigentümer, nicht Hamburg Wasser.
Als Mieterin oder Mieter erkennst du Blei oft an grauen, weichen Rohren mit wulstigen Verbindungen, die beim Kratzen silbrig glänzen. Bist du unsicher, frag schriftlich beim Vermieter nach. Eine Wasseranalyse kannst du bei einem akkreditierten Labor in Auftrag geben. Ist Blei nachweisbar, gilt das Wasser als nicht vertragsgemäß, was mietrechtlich eine Rolle spielen kann. Hier hilft eine Mieterberatung weiter.
So setzen sich die Wasserkosten in Hamburg zusammen
Die Rechnung von Hamburg Wasser besteht aus mehreren Bausteinen, die nach unterschiedlichen Maßstäben berechnet werden. Die konkreten Preise legt Hamburg Wasser fest und passt sie in der Regel zum Jahreswechsel an. Die aktuellen Beträge findest du im Preisblatt der Hamburger Wasserwerke und in der Gebührenübersicht der Stadtentwässerung auf hamburgwasser.de.
| Baustein | Wer erhebt ihn | Berechnungsgrundlage |
|---|---|---|
| Trinkwasser-Mengenpreis | Hamburger Wasserwerke | verbrauchte Kubikmeter laut Hauptzähler |
| Grundpreis | Hamburger Wasserwerke | Größe des Wasserzählers bzw. Anschlusses |
| Schmutzwassergebühr | Hamburger Stadtentwässerung | bezogene Frischwassermenge in Kubikmetern |
| Niederschlagswassergebühr | Hamburger Stadtentwässerung | bebaute und versiegelte Fläche in Quadratmetern, die ins Siel entwässert |
Die Schmutzwassergebühr folgt der einfachen Annahme, dass fast jeder Liter, der aus der Leitung kommt, auch wieder im Siel landet. Deshalb zählt der Frischwasserzähler doppelt: einmal für das Trinkwasser, einmal für das Abwasser. Wer viel verbraucht, zahlt auf beiden Seiten mehr.
Die Niederschlagswassergebühr gibt es in Hamburg seit 2012. Vorher steckten die Kosten für die Regenentwässerung pauschal in der Abwassergebühr, unabhängig davon, wie viel Fläche ein Grundstück versiegelt hatte. Seit der Umstellung zahlt ein Supermarkt mit großem Parkplatz entsprechend mehr als ein Reihenhaus mit Garten. Für Eigentümer lohnt sich der Blick auf die eigene Fläche: Wer Regenwasser auf dem Grundstück versickern lässt, etwa über eine Mulde, ein Gründach oder durchlässiges Pflaster, kann die gebührenpflichtige Fläche verringern. Änderungen meldest du der Stadtentwässerung, sie werden nicht automatisch berücksichtigt.
Gartenwasser ohne Abwassergebühr
Wasser, das im Beet versickert, belastet das Siel nicht. Damit du dafür keine Schmutzwassergebühr zahlst, kannst du einen separaten Abzugszähler für die Gartenleitung installieren lassen. Den Einbau übernimmt ein eingetragener Installationsbetrieb, danach meldest du den Zähler bei Hamburg Wasser an. Ohne Anmeldung wird die Menge nicht abgezogen. Auch für diesen Zähler gilt die Eichfrist, nach deren Ablauf er getauscht werden muss, sonst entfällt der Abzug.
Ob sich das rechnet, hängt von deiner Gartengröße ab. Bei einem kleinen Vorgarten übersteigen Einbau und regelmäßiger Austausch oft die Ersparnis. Bei großen Gärten mit Rasen, die im Sommer täglich gewässert werden, kommt schnell eine relevante Menge zusammen.
Mieter zahlen über die Nebenkosten, Eigentümer direkt
In einem Mehrfamilienhaus ist in der Regel nur die Eigentümerin oder die Wohnungseigentümergemeinschaft Kunde bei Hamburg Wasser. Der Hauptzähler im Keller misst den Verbrauch des ganzen Hauses. Du als Mieterin oder Mieter bekommst keine eigene Rechnung, sondern zahlst über die Betriebskostenabrechnung. Trinkwasser, Schmutzwasser und Niederschlagswasser sind dort umlagefähige Betriebskosten.
Hamburg hat früh auf eine verbrauchsgerechte Verteilung gesetzt. Die Hamburgische Bauordnung verlangt in jeder Wohnung eigene Wohnungswasserzähler, auch Bestandsgebäude mussten bis Ende 2004 nachgerüstet werden. Dein Anteil am Wasser richtet sich deshalb normalerweise nach dem Stand deiner Wohnungszähler, die Niederschlagswassergebühr wird dagegen meist nach Wohnfläche verteilt, weil sie mit deinem Verbrauch nichts zu tun hat.
Die Wohnungszähler unterliegen dem Mess- und Eichgesetz. Kaltwasserzähler müssen alle sechs Jahre geeicht oder getauscht werden, Warmwasserzähler alle fünf Jahre. Ist ein Zähler abgelaufen, darf die Ablesung nicht mehr ohne Weiteres als Grundlage der Abrechnung dienen. Die Jahreszahl der Eichung steht meist auf dem Zählergehäuse oder einer Plombe. Ein kurzer Blick unter die Spüle oder in den Badschrank genügt, um das zu prüfen, bevor du eine Nebenkostenabrechnung akzeptierst.
Weicht die Summe der Wohnungszähler deutlich vom Hauptzähler ab, ist das teilweise normal, weil kleine Zähler geringe Durchflüsse schlechter erfassen. Bei großen Differenzen solltest du nachfragen, denn dahinter kann auch ein Leck in einer Steigleitung stecken.
Eigenheim und eigener Vertrag
In Einfamilien- und Reihenhäusern bist du als Eigentümer direkter Vertragspartner. Hamburg Wasser rechnet den Verbrauch einmal im Jahr ab und verlangt dazwischen Abschläge. Zählerstände, Abschlagsänderungen, Rechnungen und Adressdaten verwaltest du im Online-Kundenservice von Hamburg Wasser, für den du dich mit deiner Kundennummer registrierst. Die Kundennummer steht auf jeder Rechnung.
Wer ein Haus kauft oder verkauft, meldet den Eigentümerwechsel mit dem Zählerstand am Übergabetag. Fotografiere den Zähler bei der Schlüsselübergabe, das erspart später Streit, wer welchen Kubikmeter bezahlt.
Was mit dem Abwasser passiert und warum das Sielnetz Geschichte hat
Hamburg besaß nach dem Großen Brand von 1842 als erste Stadt auf dem europäischen Festland ein modernes, zusammenhängendes Sielnetz. Geplant hat es der englische Ingenieur William Lindley, der auch die zentrale Wasserversorgung mit dem Wasserwerk Rothenburgsort entwarf, das 1848 in Betrieb ging. Sein Fehler lag woanders: Das Wasser wurde damals aus der Elbe entnommen und nur in Becken absetzen gelassen, ohne Filtration.
Die Folge zeigte sich 1892. Im preußischen Altona, das sein Elbwasser bereits filterte, blieb die Cholera weitgehend aus, während sie in Hamburg tausende Opfer forderte. Unter dem Druck dieser Epidemie ging 1893 die Filteranlage auf der Elbinsel Kaltehofe in Betrieb. Später stellte Hamburg schrittweise auf Grundwasser um, auf dem die Versorgung bis heute beruht.
Heute fließt das Abwasser der Stadt durch ein weitverzweigtes Netz aus Sielen und Pumpwerken zum Klärwerksverbund Köhlbrandhöft und Dradenau im Hafen. Dort wird es mechanisch und biologisch gereinigt, bevor es in die Elbe gelangt. Aus dem Klärschlamm entsteht Faulgas, das Hamburg Wasser zur Strom- und Wärmeerzeugung nutzt.
Für dich zu Hause heißt das: Was du in Toilette oder Spüle kippst, landet im Hamburger Siel. Feuchttücher, Bratfett und Essensreste verstopfen Leitungen und locken Ratten an. Speisefett gehört abgekühlt in den Restmüll, Medikamente ebenfalls in den Restmüll oder zurück in die Apotheke, falls sie dort angenommen werden.
Starkregen und Rückstau
In vielen Stadtteilen, vor allem in der inneren Stadt, führt ein Mischsiel Schmutz- und Regenwasser gemeinsam ab. Bei heftigem Regen kann das Siel volllaufen. Dann drückt Wasser zurück in tief liegende Hausanschlüsse, also Kellerabläufe, Kellertoiletten und Waschmaschinenanschlüsse. Gegen Rückstau musst du dich als Eigentümer selbst schützen, etwa mit einer Rückstauklappe oder einer Hebeanlage. Fehlt dieser Schutz, haftet in der Regel weder Hamburg Wasser noch die Versicherung ohne Weiteres für den nassen Keller.
Mieter sollten im Keller keine empfindlichen Dinge direkt auf den Boden stellen, gerade in Häusern ohne erkennbare Rückstausicherung. Ein Regal mit ein paar Zentimetern Abstand zum Boden verhindert oft den größten Schaden.
Rohrbruch, braunes Wasser, kein Druck: wer zuständig ist
Bei Störungen hilft die Frage, wo das Problem sitzt. Tritt Wasser auf der Straße oder dem Gehweg aus oder ist in der ganzen Straße das Wasser weg, ist Hamburg Wasser zuständig. Der Störungsdienst ist rund um die Uhr erreichbar, die aktuelle Nummer findest du auf der Website von Hamburg Wasser und auf deiner Rechnung. Größere Versorgungsunterbrechungen und Rohrbrüche meldet das Unternehmen dort ebenfalls.
Betrifft das Problem nur deine Wohnung oder dein Haus, liegt es in der Hausinstallation. Mieter wenden sich dann an Hausverwaltung oder Vermieter, bei akutem Wasseraustritt auch an deren Notdienst. Drehe bei einem Leck in der Wohnung zuerst die Absperrventile an den Wohnungszählern zu, meist unter Spüle oder Waschbecken oder hinter einer Revisionsklappe im Bad. Den Hauptabsperrhahn im Keller sollten Bewohner nur im Notfall schließen, weil damit das ganze Haus ohne Wasser ist.
Bräunliches Wasser nach Bauarbeiten in der Straße entsteht häufig durch aufgewirbelte Ablagerungen im Netz. Lass das Wasser laufen, bis es klar ist. Bleibt die Verfärbung, melde es Hamburg Wasser. Kommt verfärbtes Wasser nur aus dem Warmwasserhahn, liegt die Ursache meist im Boiler oder in der Warmwasserleitung des Hauses.
Häufige Fragen
Kann ich das Leitungswasser in Hamburg bedenkenlos trinken?
Ja, das Wasser von Hamburg Wasser stammt aus Grundwasser, wird ohne Chlor aufbereitet und nach der Trinkwasserverordnung überwacht. Einschränkungen können nur durch die Hausinstallation entstehen, etwa durch alte Bleirohre in Altbauten oder durch Wasser, das lange in der Leitung gestanden hat.
Wie finde ich die Wasserhärte für meine Adresse?
Hamburg Wasser veröffentlicht Härtegrad und Analysewerte für jedes Versorgungsgebiet auf seiner Website, die Suche läuft über Postleitzahl oder Straße. Weil rund 16 Wasserwerke unterschiedliche Stadtteile versorgen, unterscheidet sich die Härte innerhalb Hamburgs.
Muss ich mich als Mieter bei Hamburg Wasser anmelden, wenn ich umziehe?
In einer Mietwohnung im Mehrfamilienhaus nicht. Vertragspartner ist der Eigentümer, du zahlst über die Betriebskosten. Notiere beim Einzug und Auszug trotzdem die Stände deiner Wohnungswasserzähler im Übergabeprotokoll. Eine eigene Anmeldung brauchst du nur, wenn du ein Haus mit eigenem Hauptzähler bewohnst und selbst Vertragspartner wirst.
Wofür zahle ich die Niederschlagswassergebühr?
Damit finanziert die Hamburger Stadtentwässerung die Ableitung von Regenwasser über das Siel. Berechnet wird sie seit 2012 nach der bebauten und versiegelten Fläche eines Grundstücks, die in die Kanalisation entwässert. Als Mieter zahlst du deinen Anteil meist nach Wohnfläche über die Nebenkosten.
Wer zahlt, wenn eine Leitung im Haus bricht?
Bis zum Wasserzähler und der Hauptabsperrvorrichtung ist Hamburg Wasser verantwortlich, danach der Eigentümer. Schäden an Leitungen im Haus und Folgeschäden durch Leitungswasser deckt üblicherweise die Wohngebäudeversicherung des Eigentümers ab, Schäden an deinen eigenen Möbeln die Hausratversicherung.

