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HVV Streik: Was fährt, was ausfällt und welche Rechte du hast

RedaktionVeröffentlicht am
HVV Streik: Was fährt, was ausfällt und welche Rechte du hast

Bei einem HVV Streik fällt in Hamburg fast nie das komplette Netz aus. Ruft ver.di zum Warnstreik auf, stehen meist U-Bahn und die Busse von Hochbahn und VHH still, die S-Bahn fährt weiter. Streiken dagegen die Bahngewerkschaften GDL oder EVG, trifft es S-Bahn und Regionalzüge, während U-Bahn und Busse normal unterwegs sind.

Für deinen Weg zur Arbeit heißt das: Entscheidend ist, welches Unternehmen deine Linie betreibt und wer zum Streik aufgerufen hat. Wenn du beides weißt, kannst du am Vorabend planen und musst morgens nicht an einer leeren Haltestelle rätseln. Unten findest du außerdem, was für dein Ticket, dein Deutschlandticket und deinen Arbeitgeber gilt.

Warum ein HVV Streik nie das ganze Netz trifft

Der Hamburger Verkehrsverbund, gegründet 1965, ist ein Zusammenschluss mehrerer Verkehrsunternehmen. Er sorgt für einen gemeinsamen Tarif, einen gemeinsamen Fahrplan und eine gemeinsame Auskunft. Die Menschen, die Züge, Busse und Fähren fahren, sind aber bei den einzelnen Unternehmen angestellt. Jedes davon verhandelt eigene Tarifverträge, oft mit unterschiedlichen Gewerkschaften.

Genau deshalb ist „der HVV streikt“ streng genommen eine ungenaue Formulierung. Gestreikt wird immer bei bestimmten Unternehmen. Die wichtigsten im Hamburger Stadtgebiet sind:

Die Hochbahn und die VHH verhandeln mit ver.di. Bei der S-Bahn und den Eisenbahnunternehmen verhandeln die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft EVG und die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer GDL. Weil diese Tarifrunden zeitlich meist nicht zusammenfallen, bleibt bei den meisten Streiks ein Teil des Netzes in Betrieb.

Wer streikt, was fällt aus: die Übersicht

Die folgende Tabelle zeigt, womit du je nach Aufruf rechnen musst. Sie beschreibt das typische Muster. Welche Betriebe ein konkreter Aufruf umfasst, steht jeweils in der Ankündigung der Gewerkschaft und in den Meldungen der Unternehmen.

Aufruf vonTypisch betroffenFährt in der Regel weiterWorauf du achten solltest
ver.di (Nahverkehr)U1 bis U4, Busse der Hochbahn, Busse der VHH, je nach Aufruf auch HADAG-FährenS-Bahn, RegionalzügeStadtteile ohne Schienenanschluss sind praktisch abgeschnitten
GDLS-Bahn, Regionalzüge der DB, private Bahnen, sofern der Aufruf sie einschließtU-Bahn, StadtbusseU-Bahn und Busse auf S-Bahn-Parallelstrecken werden sehr voll
EVGS-Bahn, DB-Regionalverkehr, oft auch FernverkehrU-Bahn, StadtbusseStreiks der EVG fallen häufig kürzer aus, treffen aber den ganzen DB-Konzern
Gemeinsamer Aufruffast alle Verkehrsmittelkaum etwasRechtzeitig Rad, Homeoffice oder freien Tag organisieren

Den letzten Fall hat Hamburg bereits erlebt. Am 27. März 2023 riefen ver.di und EVG bundesweit gemeinsam zum Verkehrsstreik auf. In Hamburg standen an diesem Montag U-Bahn, Busse und S-Bahn gleichzeitig still. Solche gemeinsamen Aktionstage sind selten, sie werden aber in der Regel mehrere Tage vorher angekündigt, weil sie bundesweit koordiniert werden.

Bei der AKN und bei einzelnen Buslinien hängt die Betroffenheit stark vom jeweiligen Aufruf ab. Manche Linien im HVV fahren Subunternehmen im Auftrag der großen Betreiber, deren Beschäftigte nicht unter denselben Tarifvertrag fallen. Ob so eine Linie läuft, verrät dir nur die aktuelle Meldung zur einzelnen Linie.

Wo du erfährst, ob morgen ein HVV Streik ist

Für Warnstreiks gibt es in Deutschland keine gesetzliche Ankündigungsfrist. Gewerkschaften melden sie oft ein bis zwei Tage vorher an, manchmal erst am Vorabend. Wer morgens früh los muss, schaut deshalb am besten am Abend vorher nach und dann noch einmal kurz vor dem Aufbruch.

Diese Kanäle liefern die verlässlichsten Informationen:

  1. hvv.de und die hvv App: Unter den aktuellen Meldungen und Störungen führt der Verbund alle betroffenen Linien auf. Die Fahrplanauskunft zeigt bei bekannten Ausfällen oft schon Alternativen über nicht bestreikte Verkehrsmittel.
  2. Hochbahn: Auf hochbahn.de und in den Kanälen der Hochbahn stehen Beginn und Ende des Streiks für U-Bahn und Hochbahn-Busse, oft mit Hinweisen zum Wiederanlauf.
  3. S-Bahn Hamburg: Bei Bahnstreiks veröffentlicht die S-Bahn Hamburg meist einen Notfahrplan. Den findest du dort und im DB Navigator.
  4. Gewerkschaftsmitteilungen: ver.di Hamburg, GDL und EVG nennen in ihren Pressemitteilungen, welche Betriebe aufgerufen sind und wie lange.

Achte bei jeder Meldung auf die genauen Uhrzeiten. Warnstreiks im Nahverkehr beginnen häufig mit dem Betriebsbeginn in den frühen Morgenstunden und dauern bis zum Betriebsende oder bis zum Betriebsbeginn am Folgetag. Wenn ein Streik nachts endet, heißt das nicht, dass um diese Uhrzeit sofort alles fährt. Fahrzeuge müssen erst an ihre Startpunkte gebracht werden, Personal muss sich einteilen. Plane nach Streikende noch Einschränkungen in den ersten Betriebsstunden ein.

Auch das Wochenende kann betroffen sein. In den Nächten auf Samstag und Sonntag fährt die Hamburger U-Bahn durch. Umfasst ein Streik diese Nacht, fällt dieser Nachtverkehr ebenfalls aus, und du brauchst für den Heimweg nach Mitternacht einen anderen Plan.

Wie du bei Streik durch Hamburg kommst

Die beste Alternative hängt davon ab, wo du wohnst. Wer in Altona, Eimsbüttel oder Barmbek lebt, hat meist Schiene und Bus in der Nähe und kann auf das jeweils nicht bestreikte Verkehrsmittel ausweichen. Schwieriger wird es in Stadtteilen, die nur über Busse angebunden sind. Steilshoop, Bramfeld und der Osdorfer Born haben keinen U- oder S-Bahnhof. Streikt ver.di, bleibt dort oft nur der Weg zu Fuß oder mit dem Rad zur nächsten S-Bahn-Station.

S-Bahn bei ver.di-Streik

Fällt die U-Bahn aus, verlagern sich viele Fahrten auf die S-Bahn. Besonders voll wird der Tunnel der City-S-Bahn zwischen Altona und Hauptbahnhof über Jungfernstieg, weil dort viele Umsteiger aus der U-Bahn landen. Wenn du flexibel bist, fahr früher oder später als zur Hauptverkehrszeit. Die S-Bahn fährt bei ver.di-Streiks zwar, sie bekommt aber keine zusätzlichen Züge, nur weil die U-Bahn steht.

U-Bahn und Bus bei Bahnstreik

Umgekehrt helfen dir bei einem Streik von GDL oder EVG die U-Bahn und die MetroBusse. Die U1 erreicht im Nordosten Ziele wie Ohlstedt und Großhansdorf, die U3 läuft als Ring um die Innenstadt. Für viele Strecken, die sonst die S-Bahn abdeckt, gibt es eine parallele U-Bahn- oder Buslinie. Die Fahrplanauskunft des HVV rechnet diese Wege aus, wenn die Ausfälle bereits eingepflegt sind.

Fahrrad und StadtRAD

Das eigene Rad ist bei jedem Streik die robusteste Lösung, weil es von keiner Tarifrunde abhängt. Wer kein Rad hat, kann auf StadtRAD Hamburg zurückgreifen, das Leihradsystem der Stadt. An Streiktagen sind Räder an zentralen Stationen morgens schnell vergriffen, eine Station weiter findest du oft noch eins. Falls du dein Rad nur für einen Teil der Strecke nutzen und dann in die S-Bahn steigen willst, beachte die Sperrzeiten im Berufsverkehr. Details dazu stehen in unserem Ratgeber zur HVV Fahrradmitnahme.

MOIA, Taxi und Carsharing

Ridepooling mit MOIA, Taxis und Carsharing sind an Streiktagen gefragt. Rechne mit längeren Wartezeiten und, bei dynamischen Preisen, mit höheren Kosten als an normalen Tagen. Mit dem Auto selbst zu fahren, bringt oft weniger als gedacht: Wenn Zehntausende Pendler gleichzeitig umsteigen, stauen sich die Hauptachsen und Parkplätze in der Innenstadt werden knapp.

Fähren

Ob die HADAG-Fähren fahren, hängt davon ab, ob der Aufruf das Unternehmen umfasst. Wenn die Fähren laufen, können sie für Wege über die Elbe, etwa nach Finkenwerder, eine Ausweichroute sein. Prüfe das vorher in den Meldungen, denn an den Anlegern steht bei einem Ausfall niemand, der dir eine Alternative anbietet.

Ticket, Abo und Deutschlandticket beim HVV Streik

Dein Ticket bleibt bei einem Streik gültig, du darfst damit alle Verkehrsmittel nutzen, die fahren. Das gilt für Einzelkarten, Tageskarten und Abos im Rahmen ihres Geltungsbereichs. Das Deutschlandticket, das seit Januar 2025 monatlich 58 Euro kostet, hat hier einen Vorteil: Es gilt bundesweit im gesamten Nahverkehr. Du kannst damit auch Regionalzüge und Busse anderer Unternehmen nutzen, die nicht bestreikt werden.

Horizontales Balkendiagramm zur Entschädigung bei Zugverspätung: 25 Prozent ab 60 Minuten, 50 Prozent ab 120 Minuten Verspätung.
Gesetzlicher Anspruch bei S-Bahn, AKN und Regionalzügen.

Eine Erstattung für einzelne Streiktage sehen die Verkehrsunternehmen bei Zeitkarten und beim Deutschlandticket in der Regel nicht vor. Ob du etwas zurückbekommst, hängt vor allem davon ab, welches Verkehrsmittel ausgefallen ist.

VerkehrsmittelRechtlicher RahmenWas dir bei Ausfall oder Verspätung zusteht
S-Bahn, AKN, RegionalzügeFahrgastrechte im Eisenbahnverkehr nach EU-Verordnung 2021/782Ab 60 Minuten Verspätung am Ziel 25 Prozent des Fahrpreises, ab 120 Minuten 50 Prozent; bei Zeitkarten gelten pauschale Beträge
U-Bahn, StadtbusseKeine Eisenbahn-Fahrgastrechte, die EU-Busfahrgastrechte gelten nur für Linien ab 250 KilometernKein gesetzlicher Entschädigungsanspruch
Fähren der HADAGKeine vergleichbare Regelung für Hafenfähren im StadtverkehrKein gesetzlicher Entschädigungsanspruch

Bei Bahnstreiks lohnt es sich, die Fahrgastrechte zu kennen. Seit der Neufassung der europäischen Regeln gilt ein Streik des eigenen Bahnpersonals nicht als höhere Gewalt. Die Bahnunternehmen können sich also nicht darauf berufen, um eine Entschädigung zu verweigern. Musst du absehbar mit mindestens 20 Minuten Verspätung am Ziel rechnen, darfst du außerdem einen anderen Zug des Nahverkehrs nehmen. Anträge stellst du beim jeweiligen Bahnunternehmen, für die S-Bahn Hamburg über die Fahrgastrechte der Deutschen Bahn. Bewahre Tickets und Belege auf, bei Abos hilft ein Screenshot der Verbindung mit der Verspätung.

Für Einzelfahrten mit U-Bahn oder Bus lohnt sich an einem angekündigten Streiktag schlicht die Planung vorab. Wer weiß, dass seine Linie ausfällt, kauft kein Ticket für eine Fahrt, die er dann nicht antreten kann.

Streik und Arbeit: Wer trägt das Risiko?

Hier liegt der häufigste Irrtum. Viele gehen davon aus, dass ein Streik im Nahverkehr automatisch entschuldigt, wenn sie zu spät oder gar nicht zur Arbeit kommen. Arbeitsrechtlich trägst du als Arbeitnehmer aber das sogenannte Wegerisiko. Wie du zur Arbeit kommst, ist deine Sache, auch wenn Busse und Bahnen ausfallen. Kommst du nicht, hat dein Arbeitgeber für die ausgefallene Zeit grundsätzlich keine Lohnpflicht.

Strukturierte Liste mit vier arbeitsrechtlichen Optionen bei Nahverkehrsausfall.
Möglichkeiten zur Absprache mit dem Arbeitgeber bei Streik.

Ein angekündigter Streik verschärft das eher, denn du hattest Zeit, dich darauf einzustellen. Sprich deshalb frühzeitig mit deinem Arbeitgeber, sobald ein Aufruf bekannt ist. Übliche Lösungen sind:

Einen Anspruch auf Homeoffice hast du wegen eines Streiks nicht. Viele Arbeitgeber in Hamburg zeigen sich an Streiktagen aber entgegenkommend, wenn du rechtzeitig fragst und nicht erst am Morgen anrufst.

Hast du an einem Streiktag einen Termin in einem Kundenzentrum der Bezirksämter, beim Arzt oder bei einer Behörde, prüfe am Vortag deine Anfahrt. Viele Termine lassen sich online verschieben. Das ist meist einfacher, als mit großer Verspätung anzukommen und den Termin trotzdem zu verlieren.

Was nach dem Streik wichtig ist

Tarifrunden im Nahverkehr ziehen sich oft über mehrere Wochen, und auf einen ersten Warnstreik folgt nicht selten ein zweiter. Wenn eine Verhandlung ohne Einigung endet, lohnt es sich, die Meldungen der Gewerkschaft und der Unternehmen weiter im Blick zu behalten. Mehrtägige Streiks sind im Nahverkehr seltener als eintägige Warnstreiks. Sie kommen vor allem dann vor, wenn eine Gewerkschaft nach einer Urabstimmung unbefristet streikt. Bei der GDL hat es solche längeren Arbeitskämpfe im Bahnverkehr in den vergangenen Jahren mehrfach gegeben.

Nach einem Bahnstreik solltest du Entschädigungsanträge nicht zu lange liegen lassen. Die Bahnunternehmen setzen für Fahrgastrechte-Anträge Fristen, die ab dem Reisetag laufen. Wer Pendler-Abos nutzt, sammelt Verspätungsfälle am besten fortlaufend und reicht sie gebündelt ein. Das spart Aufwand, sofern die Frist für den ältesten Fall noch nicht abgelaufen ist.

Häufige Fragen

Fährt die S-Bahn bei einem HVV Streik?

Das hängt davon ab, wer streikt. Bei einem Warnstreik von ver.di fährt die S-Bahn Hamburg in der Regel normal, weil ihre Beschäftigten nicht unter die Tarifverträge von Hochbahn und VHH fallen. Rufen GDL oder EVG zum Streik auf, ist die S-Bahn dagegen betroffen und fährt höchstens nach Notfahrplan.

Fahren bei einem Streik die Nachtbusse?

Nachtbusse gehören zu den Unternehmen, die sie betreiben. Streiken Hochbahn und VHH, fallen auch deren Nachtbusse aus, ebenso der durchgehende U-Bahn-Verkehr in den Wochenendnächten. Achte darauf, ob der Streik bis zum Betriebsende oder bis zum Betriebsbeginn am Folgetag dauert.

Bekomme ich Geld für mein Deutschlandticket zurück, wenn gestreikt wird?

Eine Erstattung für einzelne Streiktage ist beim Deutschlandticket in der Regel nicht vorgesehen. Wenn eine S-Bahn oder ein Regionalzug durch einen Bahnstreik ausfällt oder sich um mindestens 60 Minuten verspätet, kannst du über die Fahrgastrechte im Eisenbahnverkehr eine Entschädigung beantragen. Bei U-Bahn und Bus gibt es keinen gesetzlichen Anspruch.

Muss mein Arbeitgeber mich entschuldigen, wenn ich wegen des Streiks zu spät komme?

Nein. Das Wegerisiko liegt bei dir als Arbeitnehmer, auch bei einem Streik. Wer wegen ausgefallener Busse und Bahnen nicht arbeitet, hat für diese Zeit grundsätzlich keinen Lohnanspruch. Kläre deshalb früh Homeoffice, Gleitzeit oder einen Urlaubstag.

Wie lange dauert ein Warnstreik im Hamburger Nahverkehr?

Warnstreiks im Nahverkehr dauern meist einen Tag, von Betriebsbeginn bis Betriebsende oder bis zum nächsten Morgen. Es gibt aber auch kürzere Streiks über einige Stunden und längere über mehrere Tage. Die genaue Dauer steht im Aufruf der Gewerkschaft und in den Meldungen auf hvv.de.