Hamburgs Stadtbild wird von den Türmen der fünf Hauptkirchen geprägt. Diese gotischen und barocken Bauwerke sind nicht nur religiöse Zentren, sondern auch Zeugen der Stadtgeschichte. Sie stammen aus dem Mittelalter, wurden nach Kriegszerstörungen wiederaufgebaut und beherbergen Kunstwerke, Orgeln und Aussichtsplattformen, die du besichtigen kannst.
In diesem Artikel erfährst du, was die einzelnen Hauptkirchen in Hamburg auszeichnet. Du erhältst praktische Informationen für deinen Besuch: welche Türme du besteigen kannst, welche Orgeln zu hören sind, wo du kostenlos hineinkommst und was die einzelnen Orte von den anderen unterscheidet.
1. Hauptkirche St. Michaelis
Die Hauptkirche St. Michaelis bietet einen barocken Kirchenraum, einen 132 Meter hohen Turm mit Kupferdach und eine begehbare Krypta. Das Kirchenschiff kannst du kostenlos betreten, um eine Spende von zwei Euro wird gebeten. Für Turm und Krypta gibt es ein Kombiticket. Der Turm gehört zu den bekanntesten Bauwerken der Stadt und ist weithin sichtbar.
Du kommst entweder mit dem Aufzug auf die Aussichtsplattform oder läufst die Treppen zu Fuß bis in den zehnten Stock. Der Aufstieg zu Fuß setzt eine gewisse Grundfitness voraus und ist nichts für Menschen mit Höhenangst. Oben angekommen hast du einen Rundumblick in alle vier Himmelsrichtungen über die Stadt und den Hafen. Bei klarem Wetter reicht die Sicht weit, du kannst Fotos machen und am Automaten Prägemünzen kaufen.
Von Frühling bis Sommer ist der Turm abends zwischen etwa 18 und 22 Uhr geöffnet. Besonders zur Zeit des Sonnenuntergangs lohnt sich der Besuch, und um 21 Uhr gibt es ein Bläserkonzert in alle Himmelsrichtungen. An manchen Abenden ist ein wärmendes Getränk inklusive. Die beleuchteten Schiffe im Hafen und die nächtliche Stadtkulisse sorgen für eine andere Perspektive auf Hamburg.
Täglich um 12 Uhr findet ein kurzes Orgelkonzert mit einer Einführung durch die Pastorin und einem spirituellen Impuls statt. Das Konzert dauert an Wochentagen etwa 20 Minuten, samstags 40 Minuten. In der Krypta unter der Kirche läuft ein Film zur Geschichte der Stadt. Die Hauptkirche St. Michaelis verfügt über einen rollstuhlgerechten Eingang und einen rollstuhlgerechten Parkplatz.
2. Hauptkirche St. Petri
Die Hauptkirche St. Petri gehört zu den ältesten evangelischen Kirchen Hamburgs und zeigt sich in gotischer Bauweise mit einem weithin sichtbaren Turm. Die Kirche liegt zentral zwischen Rathausmarkt und Mönckebergstraße und ist dadurch gut zu Fuß oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar. Im Inneren kannst du zahlreiche Kunstwerke besichtigen, die über mehrere Jahrhunderte hinweg entstanden sind: gotische Gewölbe, Altäre, Epitaphien und eine Kanzel aus verschiedenen Epochen.
Der Turm von St. Petri ist besteigbar und bietet nach einem anstrengenden Aufstieg über 544 Stufen einen Rundblick über die Stadt. Es gibt keinen Aufzug. Wer nicht gut zu Fuß ist oder gesundheitliche Einschränkungen hat, sollte auf den Aufstieg verzichten. Die Turmbesteigung ist nicht immer geöffnet, deshalb lohnt es sich, vorher die aktuellen Zeiten zu prüfen. Für Familien mit Kindern kann der steile Aufstieg eine Herausforderung sein, der Ausblick entschädigt aber für die Mühe.
St. Petri wurde im Zweiten Weltkrieg stark beschädigt und später wiederaufgebaut, wobei man sich an der ursprünglichen gotischen Form orientierte. Der Innenraum ist nicht nur für Gottesdienste geöffnet, sondern lädt auch außerhalb der Zeiten zum stillen Besuch ein. Der Eintritt in die Kirche ist frei, für die Turmbesteigung wird in der Regel ein kleiner Betrag verlangt. Ein rollstuhlgerechter Eingang macht den Zugang zum Kirchenraum barrierefrei, der Turm bleibt allerdings unzugänglich für Rollstuhlfahrer.
3. Hauptkirche St. Katharinen
Die Hauptkirche St. Katharinen stammt aus dem 13. Jahrhundert und zählt zu den fünf Hauptkirchen der Stadt. Sie liegt zwischen Speicherstadt und HafenCity und gilt wegen ihrer Hafennähe traditionell als Kirche der Seeleute, Schiffsbauer und Kaufleute. Der barocke Turm von St. Katharinen ist das älteste aufrecht stehende Bauwerk Hamburgs und kann bestiegen werden, allerdings ist der Zugang nicht immer geöffnet. Die Turmkrone soll der Legende nach aus dem Schatz von Klaus Störtebeker gefertigt worden sein.
Im Zweiten Weltkrieg wurde die Kirche stark beschädigt und zwischen 2007 und 2012 umfassend saniert. Johann Sebastian Bach spielte 1720 vor den Honoratioren der Stadt auf der damaligen Orgel, deren Zungenregister er besonders schätzte. Diese historische Orgel wurde 1943 weitgehend zerstört. Die heutige Orgel wurde 2013 von der niederländischen Firma Flentrop fertiggestellt und orientiert sich am barocken Vorbild. Ihr Klang trägt zur besonderen Akustik des hohen, eher schlicht gehaltenen Kirchenraums bei. Regelmäßig finden Orgelkonzerte statt, auch zur Weihnachtszeit.
Die Kirche ist für Besucher frei zugänglich. Der Innenraum ist hell gestaltet, die Ausstattung reduziert und lenkt wenig ab. Wer sich länger aufhält, entdeckt nach und nach weitere Details der Geschichte und Architektur. In der Kirche gibt es eine Toilettenanlage, die als sehr sauber beschrieben wird. St. Katharinen dient auch als Universitätskirche, und die Gemeinde zeigt gelegentlich zeitgenössische Installationen, etwa die Erdkugel-Installation des Künstlers Luke Jerram. Die Kirche ist mit einem rollstuhlgerechten Eingang und Parkplatz ausgestattet.
4. Hauptkirche St. Jacobi
Die Hauptkirche St. Jacobi geht auf eine Kapelle zurück, die erstmals 1255 erwähnt wurde und außerhalb der damaligen Stadtmauern lag. Pilger auf dem Weg nach Santiago de Compostela machten hier Station, eine Funktion, die die Kirche bis heute bewahrt hat. Nach der Verlegung der Stadtmauer 1260 wurde die Kapelle Teil Hamburgs und über die Jahrhunderte mehrfach erweitert.
Im Zweiten Weltkrieg brannte die Hauptkirche St. Jacobi nach einem Bombenangriff bis auf die Grundmauern nieder. Die Kunstwerke hatten den Krieg überstanden, weil sie rechtzeitig ausgelagert worden waren. Bis 1962 erfolgte der Wiederaufbau: Das Kirchenschiff wurde nach historischem Vorbild rekonstruiert, der Turm hingegen schlicht und modern gestaltet. Die Orgel ist das zentrale Ausstattungsstück und zählt zu den bedeutendsten historischen Orgeln Europas aus dem 17. Jahrhundert.
Donnerstags um 12 Uhr gibt es Orgelführungen, bei denen du das Instrument aus der Nähe kennenlernen kannst. Jeden Donnerstag um 16.30 Uhr erklingt eine halbe Stunde lang kostenlose Orgelmusik. Zu Ostern und anderen Feiertagen finden zusätzliche Gottesdienste und Orgelkonzerte statt. Neben der Orgel beherbergt die Kirche Kapellen und Altäre, die zu den wertvollen Ausstattungsgegenständen zählen. Der Innenraum wirkt eher schlicht gehalten, was die Atmosphäre für Besucher, die Ruhe suchen, angenehm macht. Der Eingang ist barrierefrei zugänglich, und direkt vor der Hauptkirche St. Jacobi halten Busse.
5. Hauptkirche St. Trinitatis
Die Hauptkirche St. Trinitatis ist eine evangelische Backsteinkirche mit schlichter Innenausstattung, die regelmäßig für Gottesdienste und Trauungen genutzt wird. Von außen zeigt sich der Bau elegant in typischer Backsteinarchitektur, während die Innenräume bewusst einfach gehalten sind. Die Kirche beherbergt wechselnde Ausstellungen, die den Raum über die gottesdienstliche Nutzung hinaus zugänglich machen.
Der Zugang zur Hauptkirche St. Trinitatis erfolgt über eine große Kirchentür, die etwas Kraft beim Öffnen erfordert. Die Kirche ist meist geöffnet und verfügt über einen rollstuhlgerechten Eingang sowie einen rollstuhlgerechten Parkplatz. Das Gebäude ist Teil des neu entstandenen Trinitatisquartiers, das moderne Wohngebäude und die historische Kirchenarchitektur miteinander verbindet. Der Denkmalschutz hat bei der Gestaltung des Viertels darauf geachtet, die Außenfassaden von Kirche und Neubauten aufeinander abzustimmen.
Im Inneren der Kirche finden regelmäßig Gottesdienste statt, bei denen auch besondere Begleitungen wie Gitarre statt Orgel vorkommen können. Die Gemeinde gilt als offen und aktiv. Hunde sind während der Gottesdienste willkommen. Die Küsterin unterstützt bei Bedarf auch bei der Vorbereitung von Trauungen, etwa beim Schmücken der Räume. Rund um die Hauptkirche St. Trinitatis wurde in den vergangenen Jahren ein größeres Bauprojekt umgesetzt, das zeitweise zu Einschränkungen bei der Zugänglichkeit führte. Die Kombination aus historischem Kirchenbau und modernem Wohnquartier zeigt, wie denkmalgeschützte Substanz in eine zeitgemäße städtebauliche Entwicklung eingebunden werden kann.
Häufig gestellte Fragen
Welche Hamburger Hauptkirche hat den höchsten Turm?
Die Hauptkirche St. Petri besitzt mit 132 Metern den höchsten Kirchturm Hamburgs. Du kannst die 544 Stufen bis zur Spitze steigen, um einen Rundblick über die Innenstadt zu erhalten. Es gibt keinen Aufzug, der Aufstieg ist körperlich fordernd und setzt Kondition voraus.
Kann man den Hamburger Michel kostenlos besuchen?
Der Besuch des Kirchenraums der Hauptkirche St. Michaelis ist kostenlos, es wird jedoch um eine Spende von zwei Euro gebeten. Für die Besichtigung der Aussichtsplattform auf dem Turm und der Krypta gibt es ein Kombiticket, das kostenpflichtig ist.
Welche Kirche in Hamburg ist die älteste?
Die Hauptkirche St. Katharinen ist die älteste Kirche der Stadt. Sie stammt aus dem 13. Jahrhundert, und ihr barocker Turm gilt als das älteste noch aufrecht stehende Bauwerk in Hamburg.
