Der Hamburger Hafen ist das pulsierende Zentrum der Stadt. Zwischen Containerterminals, Backsteinlagern und Fähranlegern liegen einige der meistbesuchten Orte Norddeutschlands. Riesige Containerschiffe ziehen elbaufwärts, Barkassen tuckern durch die Fleete, und auf den Promenaden drängen sich Spaziergänger neben Pendlern.
Dieser Artikel stellt dir sieben Orte vor, die du bei einem Spaziergang am Hafen nicht verpassen solltest. Du erfährst, was dich an jedem Ort erwartet, wie voll es wird und welche Details sich wirklich lohnen.
1. St. Pauli Landungsbrücken
Die St. Pauli Landungsbrücken sind ein Knotenpunkt für Fähren, Barkassen und öffentliche Hafenschiffe. Von den Anlegestellen aus siehst du direkt auf die Elbphilharmonie, die Hafenkräne und den ständigen Schiffsverkehr auf der Elbe. Die Promenade verläuft auf zwei Ebenen: unten direkt am Wasser, oben auf Brücken, die die einzelnen Anlegestellen miteinander verbinden.
Von hier starten Hafenrundfahrten, die in der Regel zwei Stunden dauern und rund 45 Euro kosten. Bei den längeren XXL-Touren bekommst du Informationen über den Hafen, die Schiffe und die Geschichte der Stadt. Viele Schiffe haben ein zufahrbares Dach, sodass auch Regen kein Problem ist. Günstiger kommst du mit den öffentlichen Fähren aufs Wasser, die zum HVV-Tarif fahren und dich zur Elbphilharmonie, zum Fischmarkt oder zu den Stage-Theatern auf der anderen Elbseite bringen.
Entlang der Promenade reihen sich Imbissbuden, Restaurants und Souvenirshops aneinander. Ein großes Fischbrötchen kostet je nach Belag zwischen vier und sieben Euro, ein halber Liter Bier vom Fass liegt bei fünf bis sechs Euro. Es gibt viele Sitzmöglichkeiten, an denen du den Schiffsverkehr beobachten kannst. Unter der Woche ist der Betrieb ruhiger, am Wochenende wird es deutlich voller. Die Davidwache, die Große Freiheit und die Herbertstraße erreichst du von den St. Pauli Landungsbrücken zu Fuß in wenigen Minuten.
2. Speicherstadt
Die Speicherstadt ist der weltgrößte zusammenhängende historische Lagerhauskomplex und steht seit 1991 unter Denkmalschutz. Zwischen Baumwall und Oberhafen reihen sich rotbraune Backsteinbauten auf schmalen Kanälen aneinander, die zwischen 1883 und den 1920er Jahren auf Eichenpfählen ins Wasser gebaut wurden. Früher lagerten hier Kaffee, Tee, Kakao und orientalische Teppiche, heute beherbergen die Gebäude Museen, Ausstellungen, Büros und noch aktive Lagerflächen.
Über kopfsteingepflasterte Straßen und Brücken kannst du das gesamte Areal zu Fuß erkunden. Die Straßenzüge verlaufen parallel zu den Fleeten, über die früher Schuten die Waren direkt zu den Winden der Lagerhäuser transportierten. An vielen Fassaden sind die alten Hebevorrichtungen noch zu sehen. Die spitzen Giebel, die verzierten Türmchen und die zahlreichen Brücken prägen das Bild. Im Speicherstadtmuseum findest du Originalgegenstände aus der Lagerzeit und Informationen zur Bauweise.
Das Gebiet ist frei zugänglich, Museen und Attraktionen haben eigene Eintrittspreise. Abends werden die Brücken und Fassaden beleuchtet, was besonders bei Dunkelheit zur Geltung kommt. An Wochenenden und in der Ferienzeit wird es vor allem an den bekannteren Punkten voll. Einige Bereiche sind noch in gewerblicher Nutzung, daher sind nicht alle Gebäude von innen zu besichtigen. Die Wege sind größtenteils eben, stellenweise liegen Kopfsteine, was das Gehen anstrengender macht.
3. HafenCity
Die HafenCity ist auf ehemaligen Hafenflächen entstanden und hat das Hamburger Stadtzentrum um etwa vierzig Prozent erweitert. Das Quartier verbindet historische Speichergebäude mit zeitgenössischer Architektur direkt am Wasser. Verschiedene Wohnbauten und Bürokomplexe, entworfen von international bekannten Büros, zeigen unterschiedliche Baustile und prägen das Bild.
Das Konzerthaus Elbphilharmonie bildet mit seiner wellenförmigen Glasfassade das Wahrzeichen des Viertels. Neben Konzertsälen gibt es eine öffentlich zugängliche Plaza, die einen Blick über Hafen und Stadt bietet. Der Zugang ist kostenlos, du erreichst die Plaza über eine lange Rolltreppe. Im westlichen Teil der HafenCity steht die Speicherstadt mit ihren roten Backsteinbauten aus dem späten 19. Jahrhundert, die heute Museen, Büros und gastronomische Betriebe beherbergen. Die Kanäle zwischen den Speicherblöcken sind bei Hochwasser befahrbar.
Die Promenaden entlang der Elbe und der Fleete erlauben Spaziergänge mit Blick auf Hafenbecken, Schiffe und die gegenüberliegenden Ufer. An mehreren Stellen gibt es Restaurants und Cafés mit Außenterrassen. Das Quartier ist weitgehend autofrei gestaltet, sodass Fußgänger und Radfahrer viel Platz haben. Die HafenCity ist noch nicht vollständig fertiggestellt, einzelne Bauabschnitte sind weiterhin im Entstehen. Das bedeutet, dass manche Bereiche von Baustellen geprägt sind. Für einen Überblick gibt es ein Informationszentrum mit Modellen und Ausstellungen zur Stadtentwicklung.
4. Museumshafen Oevelgönne
Im Museumshafen Oevelgönne liegen restaurierte Segel- und Arbeitsschiffe aus dem 19. und 20. Jahrhundert direkt an der Elbe. Zu den Exponaten gehört die Elbe 3, das älteste noch fahrtüchtige Feuerschiff der Welt, und ein elektrischer Schwimmkran aus den 1920er Jahren, der als erster seiner Art im Hamburger Hafen eingesetzt wurde. Auch ein kohlebetriebendes Polizeiboot und der Eisbrecher Stettin sind Teil der Sammlung.
Der Eintritt in den Museumshafen Oevelgönne ist kostenlos. Über einen QR-Code ist ein Audioguide verfügbar, der zusätzliche Informationen zu den einzelnen Schiffen liefert. Viele der Schiffe können besichtigt werden, wenn Vereinsmitglieder an Bord sind und du freundlich nachfragst. Die Vereinsmitglieder, die sich um die Restaurierung und Pflege der Schiffe kümmern, sind gesprächsbereit und erklären gern Details zu den Exponaten.
In einem kleinen Museumsshop gibt es Mitbringsel, darunter viele selbstgemachte Artikel, mit deren Erlös der Betrieb des Hafens unterstützt wird. Die Anreise mit der Fährlinie 62 von den Landungsbrücken ist unkompliziert, die Haltestelle liegt direkt am Museumshafen. Parkplätze sind vor Ort kaum vorhanden, weshalb die Fahrt mit der Fähre oder dem Bus die bessere Wahl ist. Ein Besuch lässt sich gut mit einem Spaziergang am Elbstrand verbinden. In unmittelbarer Nähe befinden sich mehrere Gaststätten im Freien.
5. Überseebrücke
Die Überseebrücke ist eine überdachte Brücke mit Holzboden, die vom Ufer direkt zu den Ablegestellen im Hamburger Hafen führt. Das weiße Bauwerk dient als Zugang zu den Liegeplätzen von Museumschiffen und Hafenrundfahrten. Von der Überseebrücke aus hast du Sicht auf die Cap San Diego, das vor Anker liegende Museumsschiff, und auf die Elbe.
Die Brücke ist ein kostenloser Aussichtspunkt, an dem du direkt am Wasser stehst und den Schiffen zusehen kannst, die vorbeifahren. Die Konstruktion ist überdacht, was bedeutet, dass du auch bei Regen trocken bleibst. Allerdings sind die Fenster oft nicht sehr sauber, was beim Fotografieren stören kann. Abends wird es unter dem Dach recht dunkel, da keine starke Beleuchtung vorhanden ist. Der Holzboden gibt der Überseebrücke einen maritimen Charakter und macht sie zu einem ruhigen Ort zum Innehalten.
Von der Überseebrücke legen auch Schiffe zu Hafenrundfahrten ab, die durch den Hamburger Hafen führen. Die Lage abseits der Haupttouristenströme macht den Ort vor allem für Fotografen interessant, die auch bei grauem Wetter viele Motive finden. Bei großen Veranstaltungen wie den Hamburger Cruise Days wird es allerdings sehr voll, wenn die Kreuzfahrtschiffe mit Musik und Feuerwerk auslaufen. Museumsschiffe nutzen die Liegeplätze regelmäßig, sodass sich das Bild am Wasser immer wieder verändert.
6. Nikolaifleet
Im Nikolaifleet stehen krumme Fachwerkhäuser am Wasser, schwimmen Pontonplattformen mit Restaurants, und bei Ebbe fällt der Wasserspiegel so weit ab, dass der Grund sichtbar wird. Das Fleet war früher der Hauptmündungsarm der Alster in die Elbe und entwickelte sich ab 1188 zum Hafen. Über das Nikolaifleet wurden Waren zu den Speichern transportiert, bis der Bau der Speicherstadt dem Fleet seine Bedeutung als Transportweg nahm.
Die Bebauung stammt aus der althamburgischen Zeit und zeigt Außendeichshäuser mit hohen fleetseitigen Fronten. Dieser Abschnitt gehört zu den wenigen gut erhaltenen Orten der ursprünglichen Altstadt, die meisten anderen Teile existieren nicht mehr. Die Häuser sind teilweise schief und geben einen Eindruck vom mittelalterlichen Hamburg. Von einigen Restaurants aus kannst du auf den schwimmenden Plattformen sitzen und direkt auf das Wasser schauen.
Die Gezeiten sind am Nikolaifleet deutlich sichtbar. Der Unterschied zwischen Ebbe und Flut fällt hier besonders auf, bei Ebbe liegt das Fleet fast trocken. Das Theaterschiff, das im Fleet liegt, bietet Aufführungen von politischem Kabarett bis zu Matrosenshows. Die Lage ermöglicht auch einen Blick auf die Elbphilharmonie im Hintergrund. Das Nikolaifleet ist zu Fuß gut zu erreichen und liegt nahe der Innenstadt. Die besten Eindrücke bekommst du, wenn du zu unterschiedlichen Tageszeiten vorbeikommst und die Veränderung durch die Gezeiten beobachtest.
7. Baumwall
Der Baumwall ist eine zentrale Anlegestelle und Hafenpromenade, von der aus du direkten Blick auf die Elbe, die Speicherstadt und die Elbphilharmonie hast. Der Name geht auf eine historische Befestigungsanlage zurück, heute dient der Baumwall vor allem als Verkehrsknotenpunkt für Hafenfähren, U-Bahn und Busse sowie als Ausgangspunkt für Hafenrundfahrten und Barkassentouren.
Die U-Bahn-Station Baumwall liegt an der Ringlinie U3 und verbindet die Innenstadt mit den HafenCity-Vierteln. Direkt neben der Station befinden sich mehrere Anlegestellen der HADAG-Fähren, die als öffentliche Verkehrsmittel zu den Landungsbrücken, nach Finkenwerder oder Övelgönne fahren. Viele Besucher nutzen die Fährlinie 72 für eine kostengünstige Hafenrundfahrt mit regulärem HVV-Ticket. Zahlreiche Anbieter von Barkassenfahrten werben hier um Gäste, die Touren führen durch Speicherstadt und Containerhafen.
Von der Promenade am Baumwall aus kannst du auf kurzen Wegen sowohl die Speicherstadt mit ihren roten Backsteinbauten als auch die moderne HafenCity erreichen. Der Blick über das Wasser reicht bis zu den Docks und Werften auf der gegenüberliegenden Elbseite. An sonnigen Tagen sitzen Spaziergänger und Touristen auf den Bänken entlang der Kaimauer, bei starkem Wind und Regen bietet die Gegend allerdings wenig Schutz. Direkt am Baumwall findest du gastronomische Angebote, darunter Cafés und Imbissstände, die Fischbrötchen und andere Hafenklassiker verkaufen. Die Gegend ist stark frequentiert, vor allem an Wochenenden und in den Sommermonaten wird es sehr voll.
Häufig gestellte Fragen
Wann ist die beste Zeit für eine Hafenrundfahrt?
Hafenrundfahrten funktionieren bei jedem Wetter, da viele Schiffe ein schließbares Verdeck haben. Am späten Nachmittag oder zur Dämmerung ist die Beleuchtung der Speicherstadt und der Werftanlagen besonders gut zu sehen. Beachte aber, dass es dann auch kühler wird und du dich entsprechend anziehen solltest.
Kann man die Speicherstadt kostenlos besichtigen?
Ja, das Begehen der Straßen, Brücken und Plätze in der Speicherstadt ist jederzeit kostenlos möglich. Nur für den Besuch der Museen wie dem Speicherstadtmuseum oder dem Miniatur Wunderland fallen Eintrittspreise an. Die Gebäude selbst und die Fleete kannst du ohne Kosten erkunden.
Wie kommt man am günstigsten auf die Elbe?
Die HADAG-Fähren des Hamburger Verkehrsverbundes kannst du mit einem normalen HVV-Ticket nutzen. Die Linie 62 ab Landungsbrücken bietet eine kostengünstige Möglichkeit, den Hafen vom Wasser aus zu sehen. Alternativ fährt die Linie 72 ab Baumwall eine längere Strecke.
